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Abb.1: Kniegelenk mit vorderem Kreuzband und Meniskus

Abb.2: Bei einem Riß des vorderen Kreuzbandes kommt es beim Laufen zu einem Vorschub der Tibia und einer Überbelastung der hinteren Meniskusanteile

Abb.3: Das gedrehte Plateau wird mit einer Platte fixiert

TPLO

Diagnose: Kreuzbandriß

Der Kreuzbandriß ist die häufigste Ursache von Lahmheiten der Hintergliedmaße beim Hund und kommt bei allen Rassen und in jedem Alter vor. Als Grund wird in den meisten Fällen eine über längere Zeit fortschreitende Degeneration und Schwächung der Kreuzbänder vermutet. Der Auslöser der Ruptur ist dann meist ein eher geringgradiges Trauma (z.B. Tritt in Kaninchenloch), welches in der Regel zu einer akuten, mittel- bis hochgradigen Lahmheit führt.

Die Kreuzbänder sind zwei „über-Kreuz-laufende“, im Kniegelenk gelegene Bänder, deren Aufgabe es ist, das Gelenk während der Belastung beim Laufen stabil zu halten. Das üblicherweise von einer Ruptur oder Teilruptur betroffene Band ist das "vordere" oder auch "kraniale" Kreuzband. Dieses verhindert in intaktem Zustand u.a. ein Abrutschen des Oberschenkels (Femur) auf dem nach hinten abfallenden Plateau des Unterschenkels (Tibia) (Abb.1).

Ist das vordere Kreuzband gerissen, führt dies zu einer Instabilität des Gelenkes mit daraus resultierender Lahmheit, Entzündung (Arthritis) und Entwicklung von Arthrose. Es besteht zusätzlich die Gefahr einer Schädigung der Menisken, zweier mandarinenstückförmiger Puffer im Kniegelenk (Abb.2).

Die Behandlung eines Kreuzbandrisses sollte in der Regel chirurgisch erfolgen.
Seit den 50er Jahren wurde zunächst mit einer Vielzahl verschiedener Methoden versucht, das Kreuzband entweder innerhalb oder ausserhalb des Gelenkes zu ersetzen.
In den 80er Jahren entwickelte der amerikanische Tierarzt Dr. Barclay Slocum einen völlig neuen Ansatz zur Behandlung des Kreuzbandrisses beim Hund. Hierbei wird im Gegensatz zu den herkömmlichen Methoden nicht versucht, das gerissene Band zu ersetzen, sondern durch eine Veränderung der Biomechanik eine Stabilität des Kniegelenkes auch ohne vorderes Kreuzband ermöglicht.

Die aus der ursprünglichen Methode von Slocum weiterentwickelte, heutige Form der Operation ist die „Tibial Plateau Leveling Osteotomy“ oder kurz „TPLO“. Hierbei wird mit einer halbkreisförmigen, oszillierenden Säge das Plateau des Unterschenkels ausgeschnitten (Tibia-Osteotomie), auf eine neutrale Position gedreht und mit einer Spezialplatte fixiert (Abb.3). Die Operation erlaubt somit aufgrund der prompt wiederhergestellten Stabilität eine frühzeitige Belastung der Gliedmaße, ein Vorteil gerade für große Hunderassen.

Die Prognose für die vollständige Wiederherstellung einer normalen Belastbarkeit nach der Versorgung eines Kreuzbandrisses mittels TPLO ist generell gut bis sehr gut. Die Verheilung der Osteotomie dauert ca. 8 Wochen. Die Implantate (Platte und Schrauben) werden danach nicht routinemäßig entfernt, sondern verbleiben in der Regel im Patienten.
Unabhängig von der Operationsmethode ist ein langsames Fortschreiten der Arthrose im Kniegelenk zu erwarten, diese bleibt bei der TPLO jedoch in der Regel geringgradig.
Meniskusschädigungen können, wie auch bei allen anderen Operationsmethoden, nachträglich auftreten und einen weiteren Eingriff zur Meniskusentfernung notwendig machen.

Komplikationen der TPLO sind selten und können größtenteils durch Einhaltung von Sterilität, sorgfältige OP-Technik und aufmerksame Nachsorge verhindert werden. Treten sie dennoch auf, sind sie zumeist von vorübergehender Natur und umfassen, abgesehen von allgemeinen Problemen wie Infektion und Wundschwellung, vor allem Implantatlockerungen, Patellasehnenentzündungen oder kleinere Frakturen.

Statistisch gesehen besteht im Übrigen beim Hund nach einem Kreuzbandriß ein ca. 50%iges Risiko, daß innerhalb eines Jahres auch das Kreuzband der anderen Seite reißt.

In jüngerer Zeit wurde eine große Anzahl von unterschiedlichen Tibia-Osteotomien entwickelt, die auf das gleiche oder ähnliche Prinzipien gründen wie die TPLO.
Die TPLO ist jedoch die zur Zeit am häufigsten durchgeführte Tibiaosteotomie und wird weltweit von den meisten Veterinär-Orthopäden als aktuell beste chirurgische Option für Kreuzbandrupturen bei aktiven mittelgroßen und großen Hunden angesehen.
Sie ist auch als Revisions-Operation bei bereits ohne Erfolg mit herkömmlichen Bandersatzmethoden operierten Patienten einsetzbar.

Kleintierpraxis
Dr. Georg Papadopoulos
Ulrike Eßrich
Lankwitzer Str. 19
12107 Berlin